Partnerschaft nach Jayaque in El Salvador

Liebe Freunde der Partnerschaftsarbeit,

wie bereits berichtet wurde, hat eine kleine Gruppe unserer Kirchengemeinde im April 2006 unsere Partnergemeinde in Jayaque, El Salvador besucht. Wir waren dort im Pfarrhaus der Kirche pan de vida untergebracht und genossen die Gastfreundschaft des Pfarrerehepaars Francisco und Jesus Carrillo sowie Ihrer Kinder Roxana und Wuilvert bzw. deren Angehörigen. Bei diesem Besuch haben wir uns umfassend über unsere Projekte informiert und uns von der Notwendigkeit der Hilfeleistung überzeugt. Ergebnis unseres Besuches war ein auf drei Jahre angelegter Partnerschaftsvertrag, in dem die Projekte und ihre finanziellen Auswirkungen im Einzelnen beschrieben wurden, um sowohl unserer Partnergemeinde, als auch unserer Kirchengemeinde Sicherheit zu geben.Umso schwerer traf uns Anfang Dezember 2006 die Nachricht von der Ermordung des Ehepaares Francisco und Jesus Carrillo. Beide wurden nach einem Gottesdienst in der Kirche monte de penzberg im Ortsteil Dos de Mayo, die von unserer Kirchengemeinde finanziert worden war, erschossen. Die näheren Umstände der Ermordung sind im Sonntagsblatt vom 10. Dezember 2006 dargestellt. Wer sich dafür interessiert, kann im Pfarramt ein Exemplar erhalten.

In einem Gedenkgottesdienst, an dem die Ortsgruppe von amnesty international beteiligt war, nahmen wir Abschied vom Ehepaar Carrillo. Bewegend waren die Worte des Jesuitenpaters Dr. Maier, der nach der Ermordung von Oskar Romero und 5 weiterer Jesuitenpfarrer, 1990 bis 1992 die katholische Pfarrstelle in Jayaque innehatte und in dieser Zeit Freundschaft mit Francisco Carrillo, genannt „paco“, schloss. Er bezeichnete wie auch später der evangelisch  lutherische Bischof von San Salvador Dr. Medardo Gomez beide als Märtyrer. Die Jesuiten beziehen die Ermordeten in ihr monatliches Gedenkgebet ein, das an die Ermordung von Oskar Romero und die anderen Jesuitenpriester erinnern soll. Sehr viele Personen trugen sich bei uns in ein Kondolenzbuch ein. Dass beide Pfarrer in Jayaque hoch angesehen waren, zeigte sich bei ihrer Beerdigung, an der viele Bürger und Bürgerinnen aus Jayaque (17000 Einwohner Stadt) teilnahmen.  So schmerzhaft der Tod der beiden Pfarrer ist, es muss weitergehen. Spontan sagten wir die Übernahme der Beerdigungskosten zu. Die Kosten konnten durch ein Benefizkonzert der Musikschule, veranstaltet von Angelika Stockinger, und ein Konzert unseres Posaunenchores gedeckt werden. Alle Künstler verzichteten auf Honorare.Die Angehörigen der Ermordeten, das sind nicht nur die Kinder mit Familien und die Schwester von Jesus, sondern auch Tanten, Onkel, Nichten, Neffen und deren Angehörige  mussten nach dem Mord Jayaque verlassen. Sie wurden in San Salvador untergebracht. Die Angehörigen sind selbst gefährdet, Opfer eines Verbrechens zu werden, was Drohanrufe beweisen. Ein Angebot, sie professionell bei der Aufklärung der Morde zu unterstützen, lehnten sie zunächst aus Angst ab.

Um die Morde aufzuklären, hat sich auch unser Landesbischof Dr. Friedrich eingeschaltet und an Außenminister Steinmaier geschrieben. Folge war, dass Bischof Gomez und der Generalstaatsanwalt von El Salvador in die Deutsche Botschaft einbestellt wurden. Die staatlichen Behörden sagten zu, sich verstärkt um Aufklärung zu bemühen. Schwierigkeiten bereitet dieses deshalb, weil die Zeugen Angst haben, nach einer Aussage selbst Opfer einer Gewalttat zu werden. Erfreulich ist, dass Bischof Gomez die Morde zum Anlass genommen hat, um eine Allianz zu bilden, die es nicht mehr hinnimmt, über diese Art von Verbrechen den Mantel des Stillschweigens zu breiten. Wie er uns im Januar 2007 persönlich berichtet hat, beteiligen sich an der Allianz „gegen das Verschweigen von Straflosigkeit“  zwischenzeitlich alle großen Kirchen, Rechtsanwälte, Menschenrechtsbeauftragte, Staatsanwälte und Polizeibeamte. Es bleibt zu hoffen, dass der Tod von Francisco und Jesus Carrillo insoweit wenigstens hilft, die Gewalt in El Salvador einzudämmen und rechtsstaatliche Verhältnisse herzustellen.Roxana, William ihr Ehemann, Wuilvert, Ana seine Ehefrau, deren Kinder Alejandra und Laura sowie Rochelia, die Schwester von Jesus müssen nach dem Tod der Eltern, Schwiegereltern bzw. Schwester zu sich finden. Eine Rückkehr nach Jayaque scheint derzeit, nicht möglich zu sein. Nicht einmal das Grab der Ermordeten kann besucht werden. Nachdem sich eine Ausreise nach den USA zerschlagen hatte, wurde kurz vor Weihnachten angefragt, ob eine Unterbringung in Penzberg möglich sei. Wir haben dieses intensiv geprüft, aber verworfen, weil allenfalls ein Aufenthalt von 3 Monaten möglich gewesen wäre, d. h. es war für uns keine lang- oder auch mittelfristige Alternative. Am 14. Januar 2007 sind diese engeren Angehörigen nach San Jose, Costa Rica ausgereist. Dort werden sie von der evangelisch lutherischen Kirche betreut. Es steht ihnen ein Haus zur Verfügung, dessen Kosten von einer evang. Gemeinde der USA getragen werden. Wir wollen sie hinsichtlich Unterhaltskosten, Studiengebühren etc. unterstützen und stehen mit ihnen in Kontakt.

Wir haben Bischof Gomez zugesagt, dass wir unsere Partnerschaft mit der Kirchengemeinde in Jayaque aufrechterhalten. Er hat erklärt, dass die Pfarrstellen in Jayaque und Dos de Mayo bald wieder besetzt werden. Die Gemeinde braucht gerade jetzt unseren besonderen Zuspruch.  Die Gottesdienste in Jayaque werden zur Zeit von einem 6er-Team (3 Deutsche, 3 Salvadorenis) gehalten, die paarweise von San Salvador aus immer nach Jayaque fahren. Der Gottesdienstbesuch hat eher zu- als abgenommen. Hinsichtlich der Projekte bin ich in ständigem Kontakt mit Diakon Köhler in San Salvador, der die Partnerschaftsbetreuung bis zur Besetzung der Pfarrstellen übernommen hat. Zu den Projekten im Einzelnen ist Folgendes zu sagen:Schulpatenschaften: Aufgrund der großen Spendenbereitschaft in unserer Kirchengemeinde können wir 38 Schulkinder 2007 unterstützen. Wir haben auch noch ein  Polster für Notfälle. Alle Spender erhalten von mir noch eine persönliche Information. ambulante Krankenversorgung: Die Ärztin Frau Dr. Valencia hält in 14-tägigem Abstand in Jayaque und Dos de Mayo kostenlose Sprechstunden und versorgt die Patienten (meistens Kinder) mit Medikamenten. Sie hat erklärt, diesen Dienst weiter durchzuführen.Sauberes Wasser: Die Behälter sind beschafft und ausgegeben worden. Die Ärztin hat sich bereit erklärt, das Projekt weiter zu betreuen. Kinderbetreuung Dos de Mayo: Leider haben nach dem Tod der Pfarrer die Betreuerinnen aufgehört. Einrichtungsgegenstände und Materialien sind abhanden gekommen. Das Projekt soll aber spätestens nach Wiederbesetzung der Pfarrstelle unbedingt fortgesetzt werden. Geeignetes Personal muss erst noch gefunden werden, die Einrichtung muss teilweise erneuert werden.Krankentransport: Das von unserer Kirchengemeinde beschaffte Fahrzeug wird derzeit für den Transport der Pfarrer von San Salvador nach Jayaque genutzt. Nach Wiederbesetzung der Pfarrstelle soll es für unentgeltliche Krankentransporte im Gemeindegebiet Jayaque wieder zur Verfügung stehen.Gemeinkosten Pfarramt: Es werden die Kosten für Strom-, Wasser-, Fahrkosten, Gottesdienstmaterialien etc. übernommen.Wo am Nötigsten: Für Notfälle von Gemeindemitgliedern in Jayaque und Dos de Mayo steht der Kirchengemeinde ein Betrag von 1000.- USD zur Verfügung. Der Freundeskreis Jayaque hat sich neu formiert, ich wurde zum Partnerschaftsbeauftragten ernannt. Ich werde Sie auch künftig auf dem Laufenden halten.

Es grüßt Sie Bernhard Schiefer

Informationen erhalten Sie bei Bernhard Schiefer be.schiefer@gmx.de

Bericht vom "Sonntagsblatt" übr den Mord des Pfarrer Ehepaares Carrillo

Hier noch ein Link über die Partnerschaft mit El Salvador