Eine Kirche der Bergleute
Anfang des 20. Jahrhundert zog das Bergwerk in Penzberg viele Arbeiter aus traditionell evangelischen Gebieten ins katholische Oberland. Aus diesen Kreisen wurde der wachsenden evangelischen Gemeinde 1904 eine eigene Kirche erbaut. Das Grundstück wurde von der Bergwerksgesellschaft zur Verfügung gestellt. Im Kirchbauverein engagierten sich viele Bergleute und Steiger. Die Kirche lag damals oberhalb der Wohnungen in der Nähe des alten Güterbahnhofs, direkt neben einer Bergwerksdirektionsvilla (unserem heutigen Haus für Kinder) und die Bergleute sind auf dem Weg zu Schicht und Schacht an der Kirche vorbei gekommen. Hier fällt auf, dass unsere Martin-Luther-Kirche nach Norden ausgerichtet ist (nicht wie die meisten Kirchen nach Osten): offene Türen zur Stadt und zu ihren Menschen hin.
"Das Anwachsen der Zahl der evangelischen Beamten und Bergarbeiter in Penzberg machte Anfang der 1880er Jahre auch an diesem Orte die Einführung von Gottesdiensten nötig, die damals vom Reiseprediger in Weilheim gehalten wurden und im Saal der Kinderanstalt gehalten wurden. [...] Lange Jahre blieb es beim Provisorium. 1904 aber wurde in kurzer Zeit von dem dortigen Verein unter Unterstützung des bayerischen Gustav-Adolf-Hauptvereins durch Architekt Wilhelm Mezger das äußerlich und innerlich stimmungsvolle Kirchlein gebaut, das über den Schächten des Bergwerks steht und zu den Häusern herabbgrüßt, in denen Menschen wohnen, die schwere Arbeit leisten müssen und viel Sorge um Arbeit und ihr Durchkommen haben. Von den Portalstufen des Kirchleins hat man einen Blick in die Weite des Mooses am Südende des Starnberger Sees und auf den Kranz der Berge." (aus: Braun, Karl, Südbayerns evangelische Diaspora, Leipzig, 1935, S.50)